Also wir sind jetzt seit etwas mehr als zwei Wochen hier in den Marken und haben trotz der ollen Husterei täglich die Umgebung erkundet. Um uns herum sind viele Felder, teilweise schon gesät, teilweise gepflügt, teilweise brach liegend. Von der Casa Amici aus kann man viele Nachbarhöfe sehen auf dem nächsten Hügel oder auch unten im Tal. Auf unseren Wanderungen mussten wir allerdings ziemlich schnell feststellen, dass die gar nicht mehr alle bewohnt sind. Und je mehr man sich davon anschaut, desto weniger Nachbarn scheinen wir zu haben 🫣
Vor ein paar Tagen haben wir eine Radtour unternommen und noch mehr Höfe in Sichtweite abgeklappert. Von den Höfen, an denen wir vorbeikommen sind, waren mehr als die Hälfte verfallen. Manche sahen ziemlich verfallen aus, waren aber trotzdem noch bewohnt (noch gruseliger eigentlich). Bei einem Hof, von dem ich überzeugt war, dass er verlassen wäre, kam dann doch Rauch aus dem Schornstein und es liefen Hühner herum, die an irgendeiner Wirbelsäule von irgendeinem frisch geschlachteten Tier geknabbert haben… 🤢 (aka. der Zombie-Hühner-Hof). Wiederum an einem wunderschönen, ziemlich intakt aussehenden Haus vorbeigefahren, roch es so dermaßen nach Verwesung, dass wir lieber nicht weiter nachgeschaut haben und stattdessen die Räder noch schneller bergab haben rollen lassen…
Unten im Tal haben wir bei unserer ersten Wanderung vor über zwei Wochen bereits festgestellt, dass bei vielen der Häuser das Erdgeschoss zugemauert wurde (Fenster und Türen) und anscheinend nur noch oben im ersten Stock jemand wohnt (wenn überhaupt). Auch hier sind meist die Fensterläden oder Rolläden geschlossen und es ist echt schwer zu sagen, wo überhaupt noch jemand wohnt. Oder ob die Bewohner im Erdgeschoss mit eingemauert wurden..
Dort, wo Wachhunde uns mit ihrem Gebell verfolgen, kann man wenigstens sicher sein: da wohnt noch jemand!
Selbst die Häuser unserer ‚direkten‘ Nachbarn die Einfahrt hoch sehen eher unbewohnt aus. Nur die Wachhunde und die Schafe verraten, dass da noch jemand lebt. Der Nachbar am Anfang unserer Auffahrt (der mit den zwei Schäferhunden, die uns regelmäßig an den bösen Zwischenfall an der Dordogne erinnern) ist der Einzige, den man ab und an mal sieht.
Aber insgesamt ist die Quote doch ziemlich verwirrend und irgendwie traurig. Nach hinten raus kommt ein hübsch gepflegter Hof mit kleiner Kapelle, wo gefühlt die letzte Bauerngeneration der Marken wohnt. Wenn die beiden irgendwann nicht mehr da sind, wird auch dieser Hof verfallen.
Den Schotterweg weiter bergab kommt man an einem hübschen toskanischen Haus vorbei, das eigentlich frisch renoviert aussieht – nur sind alle Fenster zerschlagen und es ist natürlich unbewohnt. Ein paar Meter weiter findet sich ein riesiger Betonbau, nicht fertiggestellt. Wir erfahren von Hakki, dass der Käufer wohl vorhatte, hier ein Agriturismo draus zu machen mit riesigen Weinplantagen.. sitzt aber aus welchen Gründen auch immer nu im Knast und der Bau steht still. Vermutlich haben sich ein paar der Handwerker an den Fenstern ausgelassen, weil sie auf ihren Kosten sitzengeblieben sind?
Wer also ein günstiges, verfallenes Häuschen in den Marken mit traumhaftem Blick und traumhafter Natur sucht, kann hier sicher für einen lächerlichen Euro was erwerben 😉 Vielleicht riecht es etwas nach Verwesung.. oder man muss halt die Grundmauern neu aufbauen.. aber Möglichkeiten gibt es genug!
Irgendwie ist es eine Mischung aus gruselig (vor allem im Dunkeln), Endzeit-Szenario, Melancholie und Nostalgie.. die Höfe stehen hier teilweise schon seit hunderten von Jahren leer und die Natur holt sich langsam alles zurück.
Und seitdem fragen wir uns bei jedem Gebäude: Verlassen oder bewohnt? Ist nicht immer eindeutig zu beantworten 🤪














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