Ein Kumpel sagte mal über Frankreich… ein geiles Land, viel schöner als Italien, wenn nur die Franzosen nicht wären oder nein, das darf man nicht sagen… sagen wir einfach: die Franzosen sind eben doch gar keine Italiener.
„Je voudrais deux pizzas“ stammel ich zum lächelnden Campingplatzpizzabudengirl und sie guckt mich an, als wäre ich zurückgeblieben. Ehm, c’è un problema ? setze ich in panischem italienisch hinzu (in Barcelona lief das immer durch, wenn man nicht mehr weiter kam). Sie tickt auf ihre Uhr und sagt „n’existe pas“ oder so ähnlich, sie deutet auf einen Zusatzzettel außen an der Butze… im wesentlichen steht da, ab 8 abends gibts Paella und keine Pizza mehr, weiß ich doch schon lang.
I know i know, lo so, sage ich zu ihr und schaue auf meine Uhr 19:26, hä? – but there is lot of time bis 8 isn’t it, nörgel ich rum. Sie ahnt was ich sagen will und deutet auf einen Berg von 4 kleinen Bestellzetteln mit insgesamt 6 Pizzen drauf… schaffen wir nicht bis 8, will sie mir wohl sagen, aber wir sind hier doch nicht im Bahnhof Prenzlau, oder?
Unten am Campingplatz 34, der uns ganz gut gefällt, sitzt Jule mit ihrem verletzten blutenden Wauwi und hat HUNGER und DURST auf Alk, weil der Tag so scheiße war bisher und wenn ich da gleich wieder auftauche ohne Pizzen… ohoh…
Also pöbel ich jetzt rum, that’s fuckingfuckfuckshit (danke Ruth!) blöke ich laut mit hochroter Teutonenfratze und das versteht sie nun doch… (läuft Ozarks in F. in OMU?? haha ich lach mich tot)
O.k. o.k. sie lächelt, quelle pizza you want und um 20:15 können wir sie dann entgegen aller Regeln abholen… Sie guckt wissend, ich grinse zurück und ich denke, dich mag ich, aber den Rest nicht.
Die Pizza schmeckt nun doch richtig gut, die Pizzafrau hat Jule noch beim abholen gefragt, welche Sprache(n) ich denn eigentlich sprechen würde… das wäre ihr dann doch nicht ganz klar, o.k, Punkt für sie.
Wir kauen nochmal durch, was eigentlich passiert ist… der Tag fing fein an mit schwimmen im leeren prima Pool, Fahrradtour zum Plage di vitrac, baden in der Dordogne… herrlich. Dann weiter auf nach Domme auf den Berg. Auf dem kleinen Weg durchs Maisfeld an der Dordogne mit Wauwianhänger überholt uns ein Proletenpickup, viel zu dicht , viel zu schnell und fett durch eine Riesenpfütze… was für ein Schwachkopf, denk ich… ein paar hundert Meter weiter steht er dann am Fluß und lässt seine Hunde aus dem Auto, „äh, Jule sollten wir nicht den Hund“ bringe ich noch hervor, da fliegen die beiden Schäferhunde schon lautlos an mir vorbei und stürzen sich auf Gina. Jule schreit rum, ich schrei rum, die Fahrräder fallen in den Matsch, der Frankoasispacko schreit rum und alle 3 Hunde fallen 4 Meter tief vom Ufer direkt in die Dordogne. Das war wohl Ginas Glück, wie uns mittlerweile klar ist, weil im frischen Wasser unten lassen die Drecksviecher wie begossene Pudel von Gina ab, oben hätten sie sie fertig gemacht. Die Kampfviecher schaffen es dann unter weiterem Geschrei des Asis die fast senkrechte Uferwand allein hoch, erstaunlich… Schäferhunde sind einfach scheiße, aber Maschinen. Zurück bleibt die arme Gina in der Dordogne paddelnd, die verzweifelt versucht, nicht abzutreiben. Mit einer Hundeleine seilt sich Jule dann schnell ab, der Idiot hilft auch und mit einer Kette schaffen wir es, die verletzte Gina aus dem Fluß zu heben. Danach verpisst sich die dumme Sau, so schnell er kann, Jule schreit ihn noch zusammen „What is wrong with you, you f. idiot“ und weg rast er…
Gina hat ein ordentliches Loch im Rücken und kann und mag grad nicht mehr laufen, also Hund in den Hänger gehoben und wir kämpfen uns über ständig mit umgefallenen Bäumen versperrte Wege mit einem heulenden Wauwi im Hänger bis nach Cenac durch. Völlig feddich sichten wir eine Pilsbude oder whatever die Kategorie in F. ist und beschließen, uns auf den Schrecken wenigstens kurz ein kaltes Pils zu gönnen.
Wir bauen die Bikes ab, heben den Wauwianhänger so mit Hund durch die Gegend, dass er nicht im Weg steht, heben den verletzten Hund aus dem Hänger, alles genauestens beobachtet von einer Gang Franzosen, die zechend im Biergarten sitzen… als wir nach gefühlt 10 Minuten alles gerichtet haben und bereit sind für ein lecker riesengroßes, eiskaltes Bière, guckt uns der hässlichste der Zechertruppe dämlich grinsend an und sagt „Nous sommes fermés“ „We are closed“ setzt er dann hinzu, weil wir so ungläubig glotzen wie die Aale… Alter, deine Übersetzung steck dir dorthin wo auch in Frankreich die Sonne nicht scheint, denke ich, aber warum sagst du das nicht gleich, du … was ist denn eigentlich falsch bei euch allen, hätte meine Tochter gesagt… die Straße hoch sei eine Bar, gibt er uns noch grinsend einen prima Tip auf den Weg und trinkt genüsslich sein Bierglas aus.
Machen wir es kurz, seine Bar war dann offiziell ein Restaurant (ohlala, wichtig popichtich, mit Reservé usw. , aber um 18:30 eben gerade halbleer) und da wir ja nichts essen wollten, sondern nur kurz 2 knackige Drinks und dann wieder weiter, sollten wir uns doch bitte schnell verpissen, was wir dann auch taten, mittlerweile ahnt man es ja auch schon, dass es jeweils so nix wird und es wundert einen nichts mehr.
Warum hast du dem eigentlich nicht eine reingehaun, fragt Jule grad echt enttäuscht und ich frage mich, welchen der Spackos von heute, sie eigentlich meint oder alle und ich weiß es eigentlich auch nicht.
Und dann schreibt der Friedo soeben: vielleicht fahrt ihr einfach früher nach Italien… hm, si, vediamo… forse
P.S. Ginas Wunde ist aus der Bulliapotheke versorgt, der Hund hat dazu Schmerzmittel bekommen und pennt seit Stunden das Adrenalin aus dem Körper
P.P.S. eine Anekdote
Als ich im September 2005, kurz bevor wir für ein paar Monate in Lucca wohnten, mal wieder auf Buden-Erkundungstour ebendort war und gegen 23:30 im Hotel auftauchte, fragte mich der Portiere, ob ich denn nicht noch was essen wolle… hm, eine Pizza wäre schon geil, dachte ich und „una Pizza sarebbe meravigliosa“ habe ich dann gesagt, unter Einsatz des besten Konjunktivs, den ich drauf hatte und bekam zu später Stunde ohne Wimpernzucken einfach genau das… eine geniale Pizza.


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