Hui, das war ne spannende Fahrt, mit dem 12,5m langen Geschoss. Auf den Autobahnen natürlich kein Problem – nur, dass man in Deutschland dann meist auch beim LKW Überholverbot mit dazuzählt, sobald ein Anhänger dran hängt..

In Italien wars dann weniger lustig, als Olaf fragte, ob wir links durch den Tunnel (definitiv die breitere Straße) fahren sollten, und ich auf dem, was Google Maps behauptet hat, bestand (rechts fahren). So fuhren wir also mit 12,5m Länge und viel zu viel Breite durch sehr enge Straßen, direkt am Seeufer des Lago Lugano entlang.. und dann kam von vorne der obligatorische Linienbus.
Hinter uns Autos, links und rechts direkt Hauswände,.. nix zu machen.
Die Busfahrerin war italienisch cool und drängelte alle Autos hinter sich mehrere hunderte Meter zurück, so dass wir vorbei kamen und vom Rückwärts fahren mit Anhänger in engen Straßen verschont blieben..

Am Luganer See auf Camping Darna war nix los. Nur ein paar Holländer, die vorderen Reihen am See waren spärlich belegt – wir konnten uns sogar noch einen Platz direkt am Seeufer aussuchen. Nur ein Zaun trennte uns leider vom Strand – aber der nächste Durchgang war nicht weit.

Der Blick über den See war einfach nur der Hammer. Wow, diese Berge. Diese Spiegelung im Wasser. Und dann sah man nach der ersten Sonne, in der wir schon lecker Cappuccino getrunken hatten, den Regen herankommen. Was für beeindruckende Bilder!

Das Wetter war in den ersten Tagen also recht mies, aber umso glücklicher waren wir mit unserem gemieteten Wohni. Wir fühlten uns zwar beide um 20 Jahre gealtert (vergleicht man sich mal mit anderen Wohnwagen-Campern..), aber praktisch war das Teil definitiv. Nachts hörten wir den armen kleinen Bulli nebenan leise sich in den Schlaf weinen..er war so einsam..

Aber eine Toilette, so dass man zumindest Nachts nicht über den halben Campingplatz laufen musste, sowie die Möglichkeit zu sitzen und arbeiten, zu kochen, sich die Zähne zu putzen und im Bett zu liegen gleichzeitig und ohne nötige Umbauten, waren schon SEHR überzeugend und luxuriös.

Die Tage verflogen ziemlich schnell.. es kamen immer mehr Holländer, die hatten zwei Wochen Maiferien. Tagsüber tobten die Kinder am Seeufer herum und abends grölten die Eltern dann am Grill. Aber alle Male besser als Auskehrstimmung oder nur Rentner um sich herum zu haben..

Wir haben tolle Ausflüge gemacht – einmal zu einem schönen Wasserfall (leider wars zu kalt, um darin zu baden), dann mit dem Fahrrad die stillgelegte, alte Uferstraße entlang zum nächsten Ort. Natürlich haben wir auch die SUPs wieder rausgeholt und den Luganer See auf dem Wasser erkundet. Dazu war aber der Wind leider zu überraschend – ständig pustete er aus westlicher Richtung über den See und wenn man mal dachte, nu ists windstill, ab aufs Wasser! – kam er zurück, wenn man weit draußen auf dem SUP saß.

Wir waren außerdem wandern herum um den kleinen Lago di Piano, der zwischen dem Luganer und dem Comer See liegt. Nix aufregendes eigentlich und erst etwas düster, dann abendteuerlich, weils den eingezeichneten Weg in Komoot in Wirklichkeit gar nicht gab – oder der See stand zu hoch, so dass der Weg unter Wasser weiterlief.. jedenfalls mussten wir ziemlich durchs Unterholz klettern, an einem gruseligen, verlassenen Haus mitten im Wald vorbei (Blair Witch Project..) und dann einen Umweg von zusätzlichen 3km in Kauf nehmen .. Unser Weg kreuzte außerdem eine Eselweide, auf der ein kleines Eselfohlen sich herrlich austobte, während Olaf vorbei lief. Wir sahen unglaublich viele Rehe – so viele habe ich hier auf dem Land in Deutschland noch nie beobachtet – und ein „Workation Castle“, das wohl nie richtig fertig geworden ist.. sah nicht sehr einladend aus..
Am Ende waren wir dann doch ziemlich fertig, statt der geplanten 6km sind wir 10km gelaufen. Dafür gabs danach die beste Pizza ever vom benachbarten Campingplatz.

Mit dem Bulli sind wir einen Tag weit hoch hinaus, auf 1300 Höhenmeter hoch gefahren zur Alpe di Colonno. Eigentlich war für die Strecke nur ein Gewicht von 2 Tonnen zugelassen.. aber als uns ein anderer VW Bus entgegenkam, dachten wir .. what the Hack.. wir probieren’s.
Die Fahrt da hoch war ECHT nervenaufreibend, aber es hat sich sowas von gelohnt. Die Wanderung mit ständigem Blick auf den Comer See von so hoch oben war einfach nur geil. Und am Ende (und natürlich auch schon vorher, nach der kranken Fahrt da hoch) gabs eine Stärkung in dem kleinen Restaurant.
Die Fahrt bergab war dann interessanterweise deutlich einfacher – vor allem, nachdem vor uns ein Traktor mit Baumstämmen auf dem Anhänger fuhr und somit klar war, dass der Weg wohl doch deutlich mehr als 2 Tonnen aushielt.. ein absolutes Muss auf jeden Fall für jeden, der mal hier in die Ecke kommt! Schaut euch die Bilder an..

Bis auf die etwas nervigen und lauten Holländer und die danach eigentlich noch viel schlimmeren Dauercamper und Rentner war unsere Zeit am Lago Lugano echt ein extrem würdiger Abschluss unserer Grand Tour. Der Blick über den See, die Sonnenuntergänge, sogar Baden konnten wir – mit Zähneklappern und wenn die Luft warm genug war.
Camping Darna wird uns vermutlich nicht zum letzten Mal gesehen haben..

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