Also, wir schreiben den 29. September. Unsere Kollegen bei unserer Agentur (unserem Kunden) sind allesamt in Urlaub abgezogen, so dass wir noch flexibler als sonst sind. Ein guter Grund also, heute weiterzuziehen 😉
Le Vent nous portera… (ein Lied, das mir für unsere Tour schon seit Mai in den Ohren klingt).. zwar nicht ganz der Wind, aber unsere Neugierde auf mehr Neues treibt uns weiter. Wir haben uns den Campingplatz „A Marina“ in Liscia, ein Stück über Ajaccio, als Ziel ausgesucht. Die Bewertungen des Platzes sind recht gut und er liegt direkt am Strand. Leider können wir keinen Stellplatz reservieren, first come first serve ist das Motto. Das heißt aber leider auch, dass wir unter Zeitdruck die Route fahren müssen, denn irgendwie sind doch noch recht viele Touris unterwegs.

Also fährt Olaf wieder die Schlängelwege, mal zwei Spuren breit, mal nur eine Spur, mal gibt es zum Abgrund rechts eine Ballustrade, mal nicht.. uns kommen zum Glück kaum Autos entgegen, heute fahren alle mit unserer Richtung.. dennoch ist es wiedermal eine aufregende Fahrerei mit tollem Ausblick aufs Meer – siehe Galerie und Video.
Den Campingplatz erreichen wir Mittags und erhalten tatsächlich noch den letzten absolut strandnahen Platz – uns trennt nur eine kleine Wiese von den Miniatur-Dünen und dem Meer. Wir haben hier außerdem eine Betonplatte, die ungefähr so hoch liegt wie der Einstieg in den Bulli. Was lustigerweise dazu führt, dass wir – vor allem aber Olaf 🤭 – uns mehrmals den Kopf am Bulli stoßen beim Einsteigen. Überdacht ist das ganze mit Reisig-Zweigen – soll wohl gegen die Sonne schützen, aber mit den vielen Lücken darin bringt es bei der noch sehr stechenden Sonne nicht allzu viel.
Aber wir können das Ganze noch verbessern, indem wir unseren Camping-Teppich auf das olle Dach werfen – Sonnenschutz aktiviert.

Es gibt hier zum Glück KEINE Mücken, und so dürfen unsere ganzen Stiche mal langsam etwas abschwellen..

Der Strand wird natürlich reichlich genutzt – mal eben in der Mittagspause ins Wasser hüpfen, oder über den Strand zum Spar Markt im Ort laufen. Auch Gina freut sich schon bei der Morgenrunde mal auf ein Bad im herrlichen Meer.

Wir verbringen insgesamt 4 Nächte hier. Wir fahren mit den SUPs bis zur nächsten kleinen Bucht, um von dort aus in den Felsen zu schnorcheln. Leider sehen wir nichts aufregenderes als die üblichen kleineren Fische, die in Schwärmen herumsurren und an Pflanzen knabbern. Die bis zu 30cm langen Seenadeln (sehen aus wie eine Nadel oder ein Bleistift) verfolgen uns frech und beobachten uns. Lustige Dinger. Aber von Kraken, Quallen, Rochen oder größeren Fischen ist weiterhin keine Spur zu sehen.
Nach der trotzdem 1a SUP-Tour machen wir ausgedörrt Pause an einer Strandbutze, die zu einem Bootsverleih gehört, der auch Paraglider mit dem Boot bis auf 400m Höhe zieht… (wers mag…) Wir haben Durst wie Harry und bestellen alles auf einmal bis sich rausstellt, dass sie gar keine Bar nebenher betreiben (dürfen). Nachdem wir uns ganz ordentlich von dem dicken hinter der Theke durch den Kakao ziehen lassen, bekommen wir aber auf lau einen herrlichen kalten korsischen Weißwein und danach noch ein korsisches Bier dazu gereicht, weil die Bestände schon alle sind. Wir dürfen vor der Locals-Truppe unsere Tour zum besten geben, Gina wird ordentlich bestaunt und es ist einfach lässig. Genau so hatten wir uns das gedacht liebes Frankreisch, geht doch.

An einem anderen Tag nehmen wir uns den nächsten Berg vor – den U Castellu mit seinen 208m Höhe. Von dort oben hat man sicherlich einen Wahnsinns-Blick über die Bucht. Bei lächerlichen 28 Grad also wandern wir los, 208 Höhenmeter durch Straßen gesäumt von traumhaften Ferienhäusern und -Villen mit Meerblick und Infinity-Pools..  die letzten Höhenmeter natürlich müssen wir einen steilen, schmalen Pfad hoch, wo es stark nach Ziege riecht. Wir klettern durch die Macchie und fragen uns, wie das noch ein Wanderweg sein soll – aber er war unten als solcher markiert.. Nach einer weiteren Kletterei erreichen wir den steinigen Gipfel des Berges. WOW. Der Aufstieg hat sich gelohnt. Auch wenn mein Kreislauf an diesem Tag nicht sonderlich gut drauf war. Der Blick ist auch von nur 208m Höhe atemberaubend. Nach einer Verschnaufpause zwischen einer Menge Ziegenködel machen wir ein paar typische „last famous words“-Fotos und klettern den letzten Abschnitt wieder herunter, um dann einen anderen Weg hinab bis in den Nachbarort zu laufen.
Google Maps kennt da eine Abkürzung.. und da es echt heiß ist und wir keine Lust auf insgesamt weitere 10km haben, versuchen wir die mal. Zuerst sieht der Weg sehr gut aus.. es ist zwar nur ein Trampelpfad durch die Macchie, aber breit genug ausgetreten, dass man ihn im Satellitenbild sieht und wir uns kaum an den Büschen zerkratzen. Dann biegt der Weg irgendwann ab in Richtung Ort. Dieser Weg ist bei Google Maps sogar als richtiger Weg eingetragen.. wir finden aber nur einen schmalen, von Wildschweinen zerfurchten Wildpfad vor.. ohje.
Zurück wollen wir nicht, also versuchen wir es.
Joa, wie sag ich es am besten.. es war… spannend? Asterix und Obelix auf Korsika ständig in Gedanken, rutschten wir den Trampelpfad durch die Macchie weiter bergab, immer am horchen nach Wildschweinen oder dem ‚Oink‘ Ruf aus den Asterix-Comics 🤪
Gina fand das alles ziemlich cool, endlich konnte sie die Herde wieder anführen. Weit vorne weg lief sie, um den Weg abzuchecken. Ich hoffte die ganze Zeit nur inständig, dass wir WIRKLICH keine Wildschweine treffen würden..
„Wehe, am Ende kommt ein Zaun, und wir müssen das alles zurück klettern!“ sagt Olaf.. ich befürchtete auch die ganze Zeit genau das…
Wir zerkratzten uns die Beine und Arme, krabbelten durch maximal 1m niedriges Macchie-Gebüsch und irgendwann sahen wir… einen Zaun! Alter..
Aber zum Glück ging es am Zaun entlang, bis wir irgendwie über einen kleinen Schutt-Berg eine Straße erreichten. Irgendwie sind wir vom nicht vorhandenen Weg abgekommen und hätten eigentlich weiter links rauskommen müssen.
Wir setzen uns auf die nächstbeste Mauer und sind end-froh, dass wir es irgendwie vom Wildschwein-Pfad zurück in die Zivilisation geschafft haben…
Jetzt brauchten wir DRINGEND etwas kaltes zu trinken und am Besten auch gleich ein Eis. Also los, auf zum nächsten Café.. das leider bereits geschlossen war.. Nebensaison halt… Buuuuuh… Aber der Betreiber saß gerad mit seiner gesamten Familie vor dem Café und lud uns ein, uns zu setzen, brachte uns die gewünschte eiskalte Coke mit gaaaaanz vielen Eiswürfeln und alles, was er noch an süßen Teilchen da hatte, sowie neues Leitungswasser für den Wauwi. Unsere Wasservorräte waren inzwischen komplett aufgebraucht.
Danach mussten wir erstmal runter zum nächsten unglaublich schönen Strand, wieder mit rundgespülten Felsen, wo wir sofort allemann ins Wasser plumpsten und uns abkühlten. Die Schnorchelmaske hatten wir natürlich auch dabei und erkundeten dann nochmal in Ruhe die Unterwasserwelt.
Nach einer ausgiebigen Pause ging es dann die restlichen 4km über die Straße zurück zu unserem Campingplatz. Puh, das war ein anstrengender Tag.

Am dritten Tag schnappten wir uns die SUPs und die Schnorchelmasken und zogen nochmal los, um ein bisschen weiter draußen, wo ein paar Felsen im Wasser lagen, nach Kraken und anderen interessanten Tierchen zu suchen. Gina musste von meinem SUP dann zu Olaf rüber, so dass ich ins Wasser zum Schnorcheln konnte. Hier wars ganz schön tief… wow.. man bekommt dann ja etwas Höhenangst von da oben an der Wasseroberfläche. Zum Glück war Olaf mit den SUPs direkt neben mir, das gab mir ehrlich gesagt eine Menge Sicherheit 😰 Dann wurds mir irgendwann doch ZU tief und wir tauschten. Leider sahen wir auch hier wieder nichts weiter als die üblichen Verdächtigen.. Vielleicht wirds ja auf Sardinien mehr zu sehen geben.

Erstmal ist die nächste Station Bonifacio, wo wir vom 3.10.-6.10. einen Campingplatz oberhalb und ca. 5km von Bonifacio entfernt gebucht haben, um nicht nachher doof auf der Straße zu stehen – denn die Ferien haben in der Schweiz begonnen und viele Campingplätze haben bereits geschlossen.

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1 Comment

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  1. 1
    Hannes

    Geil – die von euch gefilmte Strecke bin ich mal 1990 mit dem lokalen Bus auf der letzten Bank mitgefahren: in jeder Linkskurve waren wir mit dem ausgescherten Heck hunderte Meter über dem Abgrund.
    Dort unten sah man viel Autowracks.

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