Yo wir sind zum ersten Mal seit einem halben Jahr wieder in Deutschland! So gruselig wie befürchtet, war es dann doch nicht.
Auf unserer Fahrt von Brixen hierher zu sehr früher Stunde wurden wir nördlich der Alpen natürlich sofort mit Nebel und Regen begrüßt… bäääh wir wollten am liebsten gleich wieder umdrehen. Brixen war sooo schön sonnig… „Was tun wir hier eigentlich?? Wir werden 4 Wochen lang nur Nebel haben!“ War Olafs Prophezeiung. Naja, so gaaanz Unrecht hatte er damit gar nicht.
Aber die Fahrt am Bodensee entlang war selbst bei Nebel und Dreckswetter nice. Die Schlängelei durch den Schwarzwald über die B31 war unglaublich schön, überall steile Felsen und Wald, Wald, Wald. Dazu Nebelschwaden, die in den Tannen festhingen.. tolle Stimmung!
Unser erstes Ziel führte uns zu einem Selfstorage (Zapf Umzüge), um unseren Bulli etwas auszumisten und Dinge, die wir in den kommenden 4 Wochen nicht brauchen würden und/oder Dinge, die wir nicht weiter mit auf den Rest der Tour nehmen wollten, einzulagern. Wir werden das Lager dann wieder räumen, wenn wir uns auf den Rückweg nach Hause machen Ende Juli.
Leider war es wohl nicht möglich, an Samstagen einen Selfstorage anzumieten, doch war zum Glück jemand vor Ort, der uns dann (wir wirkten wohl recht verzweifelt) anbot, die Sachen anzunehmen, ins Lager zu stellen und in der kommenden Woche zu einem ihrer Selfstorage-Einrichtungen im Norden von Freiburg zu transportieren. Deal!
Mit deutlich leichterem Bulli (war jetzt wirklich zu viel, der arme Wauwi konnte nur noch auf Stapeln von Dingen liegen) ging es dann hoch in den Schwarzwald, über Horben zum Reeshof. Der Bauernhof liegt noch ein Stückchen südlich von Horben, mit dem Auto fährt man von unserem Kunden Re-Lounge in der Wiehre ca. 20 Minuten hier hoch. Mit dem Fahrrad, wenn man nicht gerade den Wauwi dabei hat, ist man auch in 20 Minuten wieder unten – geht ja nur bergab 🚀
Die Wohnung „Schwarzwaldblick“ wurde 2021 komplett renoviert und besteht zu einem großen Teil aus Altholz. Die Wohnung hat wirklich einen tollen, modernen und gemütlichen Stil. Sie zählt drei Balkone – einer davon geht hinten als Terrasse raus, mit einer Treppe, über die wir mit Gina schnell mal in die Wiesen zum Gassi gehen aufbrechen können. Im Bad ist eine riesige Regendusche mit Fotowand vom Schwarzwald, so dass man den Eindruck hat, man würde mitten im Wald duschen. In den Schlafzimmern sind jeweils riesige Panorama-Bilder, ebenfalls vom Schwarzwald, an den Wänden. Der Blick vorne, nach Norden raus, reicht über Horben bis Freiburg und hinten, richtung Süden, schauen wir zwar gegen den Berg, bzw. die letzten paar Höhenmeter Wiese, aber auch auf Hühner und Ziegen, sehr zu Ginas Vergnügen. Ab und an kommt eine der Katzen vorbei und liefert sich mit Gina einen staring-contest aus nächster Nähe.
Alles in allem ist es wirklich sehr schön hier. Die einzigen nervigen Dinge sind eine absolut nicht schalldichte Schiebetür im Bad – so dass man im Wohnzimmer auch ja jedes noch so kleinste Geräusch mitbekommt und dazu steht die Tür auch noch Zentimeter von der Wand ab, so dass derjenige, der am Tisch sitzt, die Person auf der Toilette im Blick behalten kann 😆 Wie man auf so eine bescheuerte Idee kommen kann, eine Schiebetür im Bad einzubauen, ist uns ein Rätsel.. schick ist sie ja, aber ansonsten…
Naja, und beim großen Schlafzimmer, das den hübschen Blick bis Freiburg bietet, befindet sich der Balkon leider direkt über dem Misthaufen. Lüften unmöglich, es stinkt einfach unerträglich…
Auf dem Hof gibt es außerdem ein weiteres Gebäude, in dem einerseits ein kleiner Wellnessbereich mit Sauna eingerichtet ist und andererseits oben drüber ein riesiger Spiele-Raum mit Billardtisch, Tischtennisplatte und Kicker, sowie natürlich Spielen und Spielzeug für die Kleinen. Dann ne Menge Produkte im Hofladen sowie einen Kühlschrank und einen riesigen Gefrierschrank voll mit Fleisch von den eigenen Kühen, was man sich einfach nehmen + auf die Einkaufsliste setzen kann. Sehr praktisch, wenn man mal keine Lust hat, Einkaufen zu fahren.
Gut, und jetzt die Schwärmerei über die Natur…
BOAH IST DAS SCHÖN HIER!
Meiner Freundin Sille stellen sich immer die Nackenhaare auf, wenn das Wort ‚Schwarzwald‘ nur fällt. Sie musste als Kind hier ihre Urlaube mit den Eltern verbringen und fand es schlimm. Ich bin total hin und weg von der unendlichen Natur, den traumhaft schönen (und zum Glück vom Borkenkäfer nicht so zerstörten) endlosen Wäldern und den vielen vielen Möglichkeiten, hier zu Wandern, Rad zu fahren oder Mountainbike. Egal wo man geht oder fährt, der Blick ist einfach der Hammer. Klar, gegen Kastelruth mit dem Schlern kommt keiner an. Aber das hier ist schon auch ganz schön schön!!
Am Abend unserer Ankunft mussten wir nochmal runter nach Freiburg – einkaufen und vor allem für Tommis Geburtstag noch ein paar Dinge besorgen. Da läuft man also gerade nichtsahnend durch die Freiburger Innenstadt und ist seit wenigen Stunden erst hier, und schon ruft jemand hinter einem irgendwas. Wir sind es ja nicht mehr gewohnt, irgendwo jemanden zu kennen, weil wir im letzten halben Jahr natürlich nirgendwo jemanden kannten, also haben wir das ignoriert. Bis sich herausstellte, dass unsere Chefs von Re-Lounge es waren, die da hinter uns herriefen 😂
Verrückt, was für ein Zufall – wir waren nur in einem Geschäft und wollten danach weiter zum Supermarkt – wurden aber natürlich sofort auf ein Getränk in der nächsten Bar verhaftet. Das war toll und lustig, nur leider hab ich mir da schon wieder so eine bescheuerte Bronchitis eingefangen. Was ist denn diesen Winter los? Haben die Atemwegserkrankungen noch Nachholbedarf nach Corona?
Olaf hatte ja im Januar schon einen Rückfall von unserer wochenlangen Husterei im Dezember.. und jetzt war ich schon wieder fällig.
Unglaublich nervig, denn während Tommi und die Oma hier zu Besuch waren, war ich die ganze Zeit total krank .. nur den ersten Tag – am Sonntag – konnte ich noch fleißig mit allen Wandern, danach war dann vorbei. Während Olaf mit Tommi Mountainbike-Touren gedreht hat, hat die Jule das Bett gehütet..🤒
Dummerweise ist von meinem E-Mountainbike bei einer der Touren ein Deckel verloren gegangen, der den Motor und den Dämpfer von unten gegen Dreck schützt. Entsprechend sah das Rad dann natürlich von innen aus.. aber das Beste war, dass ich genau an diesem Deckel das Apple Air-Tag befestigt hatte, welches mein Fahrrad ein bisschen vor Diebstahl schützen soll. Nun hatten wir aber leider seit der ersten Mountainbike-Tour von Olaf und Tommi kein Signal mehr vom AirTag erhalten (sein letzter Standort war hier auf dem Hof).. entweder die Batterie war dummerweise gerade jetzt alle, oder es lag an einer so einsamen Stelle, dass niemand mit einem IPhone vorbeikam, mit dem es sich verbinden und einen Hilferuf absenden konnte.
Mit Tommi wanderten wir also die Mountainbike-Strecke durch erstaunlich viel Schnee hinab und hofften, dass das AirTag sich dann bei meinem Handy irgendwann melden würde… vergebens. Die Strecke war uns irgendwann zu weit, ich war zu krank, wir gaben etwas frustriert auf und liefen den ganzen Weg wieder zurück zum Bulli.
Natürlich meldete sich das AirTag nur 2 Stunden später endlich bei mir.. wir hatten endlich seinen Standort, und es lag tatsächlich genau da, wo Olaf es vermutet hatte (denn er hatte ein Klappern beim Fahren gehört, sich aber keine weiteren Gedanken darüber gemacht). Wir waren nur knapp 500 Meter entfernt, als wir durch den Schnee wandernd danach gesucht haben.. allerdings auch gut 100 weitere Höhenmeter.
Olaf war sofort Feuer und Flamme. Es galt, ein verlorenes AirTag wiederzufinden! Und natürlich den Deckel für mein Rad, den man nur umständlich über Scott-Fahrradhändler bestellen lassen konnte ..
Nachdem Olaf Tommi zum Bahnhof gebracht hatte, fuhr er im Dunkeln wieder hoch auf den Schauinsland, und bewaffnet mit Taschenlampe und meinem Handy wanderte er durch den stockdunklen, gruseligen Wald hinab zum Signal des AirTags.. und tatsächlich fand er es nach einigem Buddeln im Schnee! Yay! Das zweite gerettete AirTag! Und natürlich der Deckel – den wir in Zukunft zusätzlich mit Klebeband am Rad befestigen werden…
Wir sind nun seit genau zwei Wochen hier und mir geht es endlich wieder ganz gut.. Tommi und die Oma sind längst wieder weg, Nina und ihr Zipfel sind seit ein paar Tagen hier – beziehungsweise ist Olaf mit ihnen zum Skifahren nach Oberstdorf abgerauscht und Gina und ich haben uns hier ein paar gemütliche, sturmfreie Tage gemacht.
In der Agentur konnten wir uns noch nicht so richtig viel blicken lassen – ich nicht, weil ich die ganze Zeit krank war – und Olaf nicht, weil er seine Kinder bespaßt, seit wir hier sind.
Die Zeit rauscht so vorbei, wir hatten es uns schon gedacht, wenn man so viel Besuch bekommt. Aber es ist schön, alle wiederzusehen und es ist auch ein gutes Gefühl, mal wieder in vertrauter Umgebung zu sein und in der Agentur an richtigen Schreibtischen arbeiten zu können.. dieses Arbeiten an Esstischen, die ja viel zu hoch sind, mit 5 Kissen unterm Po, geht auf Dauer doch ziemlich auf den Rücken und erzeugt Nackenschmerzen und Mousearme..
Zur weiteren Planung unserer Tour sind wir noch nicht wirklich gekommen, doch kristallisiert sich heraus, dass wir wohl nach Südspanien abzwitschern werden. Natürlich können wir das nicht in einem Stück durchfahren, sondern werden uns noch an der Côte d’Azur, ggfs. in der Camargue, ein paar Tage gönnen. Dann geht es irgendwie – ich hab noch keine Ahnung mit wievielen Zwischenstopps – weiter nach Andalusien, beziehungsweise nach Tarifa. Dort zumindest ist ein bekannter Surfspot und der Campingplatz, den ich dort ausfindig gemacht habe, ist ganzjährig geöffnet und anscheinend immer voll mit Surfern. Der Ort Tarifa ist auch direkt zu erreichen und von den Stellplätzen aus hat man (Hanglage) einen tollen Blick übers Meer bis nach Afrika. Klingt doch gut, oder?
Außerdem scheint dort die Sonne und die Temperaturen liegen schon so bei 17 Grad tagsüber und 13 Nachts – das lässt sich locker mit dem Bulli aushalten.
Wir freuen uns schon sooo sehr wieder aufs Campen! In der nächsten Woche müssen wir unser Gepäck mal durchgehen und alles rauswerfen und zum Storage bringen, was wir im kommenden halben Jahr nicht mehr brauchen: Winterjacken, Schneeketten, Skiklamotten, der eine oder andere Wollpulli, aber auch die SUPs müssen dran glauben. Sie haben uns sehr gut gedient im ersten halben Jahr, doch werden wir sie unten in Südspanien sowie auf unserer Fahrt die Algarve entlang, immer der Atlantikküste gen Norden folgend bis zum Zug, der uns dann irgendwann im Mai oder Juni nach England bringen wird, nicht brauchen.
Jetzt liegen aber erstmal noch zwei (gesunde, yay!) Wochen hier in Freiburg, beziehungsweise im Schwarzwald vor uns. Ninas Geburtstag wird am Montag gefeiert, am Mittwoch fahren die Beiden dann schon wieder nach Hause und am Sonntag kommt mein Vater für ein paar Tage zu Besuch. Hoffen wir mal, dass die Bahn nicht gerade an den Tagen streikt, an denen sie alle quer durch Deutschland fahren.

























































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