Etwas verspätet kommt jetzt noch der Bericht über unser geliebtes Levanto.. (30.10.2023 – 4.11.2023)
Als wir nach unserer Flucht aus Arezzo endlich in Levanto ankamen, staunten wir nicht schlecht.. der Campingplatz war rappelvoll. Wir dachten, auch hier könnten wir uns einen Platz aussuchen und die Strohbälle würden schon über den Platz kullern wie im Western.. nix. Kindergekreische, Hundegebell, lauter Dudes und Dudettes mit ihren Surfbrettern und Neos am rumrennen.. Wow, wasn hier los??
Wir bekamen 2 Stellplätze zur Auswahl – so voll war es schon – und die Nr. 8 gewann. Das muss hier vermerkt werden, denn den Platz würden wir nächstesmal auch wieder nehmen. Im März waren wir etwas weiter oben (Platz 16), das war natürlich alles bereits belegt. Auch die 14 (glaube ich jedenfalls, stand keine Nummer dran) direkt über der 16 muss ich hier vermerken für nächstes Mal, die war auch super 😉
So – zurück zum Eigentlichen.
Die Nachbarn – eine junge Surferfamilie aus Berlin – erzählten uns dann auf Nachfrage, dass Levanto ein sehr beliebter Wellenreiter-Spot ist. Oh, wussten wir gar nicht. Wir waren im März per Zufall auf den Ort gestoßen.
Am Abend gab es dann nen ordentlichen Regenguss mit Gewitter, hach, war das gemütlich im Bulli, immernoch ordentlich warm, keine Heizung nötig, das Prasseln des Regens auf dem Dach und die Blitze in der Ferne beobachten, dazu ein Weinchen und weiter darüber rätseln, was eigentlich in Arezzo mit diesem verdammten Herd passiert ist.
Am nächsten Tag – Halloween – stellte sich heraus, dass man unten im Café des Campingplatzes auch arbeiten kann – sie haben sogar extra Arbeitsplätze dort eingerichtet. Perfekt! Im Bulli zu zweit arbeiten ist einfach zu eng, zumal nur einer richtig an den Tisch rankommt, ohne sich den Rücken zu zerstören. Draußen sitzen war inzwischen nicht mehr unbedingt möglich zum arbeiten – zu nass oder zu kalt.
Natürlich haben wir uns auch die Wellenreiter am Strand angeschaut – der Strand ist nur ein paar Minuten zu Fuß vom Campingplatz entfernt. Olaf war sogar nochmal baden – mir war das Wasser zu aufgewühlt und vor allem die Wellen für meinen Geschmack definitiv zu doll 😉
Für die Surfer war das natürlich ein Paradies. Sonne, Strand, Salzluft, viele junge Leute, hier war was los und das tat insgesamt wahnsinnig gut.
Für den Abend besorgten wir noch Süßigkeiten – die Kids auf dem Campingplatz hatten angedroht, vorbeizukommen. Außerdem einen Kürbis, aus dem wir noch fix einen Bulliween – Kürbis machten – siehe Galerie. Mal was anderes, kam natürlich auch gut an auf einem Surfer-Campingplatz mit vielen Bullis 😉
Die folgenden Tage wurden sehr windig und wir beobachteten das Meer, die Surfer und genossen die gute Stimmung auf dem Campingplatz, die Ruhe, die frische Luft und die Weite. Nagut, wir haben auch gearbeitet.
Am Tag nach Halloween – Allerheiligen auch in Italien, ständig läuteten irgendwelche Kirchenglocken – wanderten wir von Levanto aus in den ersten Ort der Cinque Terre – Monterosso. Ein Wanderweg mit viel Steigung, aber eigentlich immer an der Küste entlang mit einem Wahnsinnsblick und teilweise sehr holprigen Wegen. Am Ende ging es natürlich dann das Ganze wieder bergab, über viel zu hohe Stufen, immer weiter bergab, bis die Knie zitterten und weh taten. Auf so einer Wanderung sind dann diese Wanderstöcke doch endlich mal von Vorteil, wenn man seine Knie noch ein paar Jahre behalten möchte.
Die Wanderung war also der Hammer – und die Lunge danach ordentlich durchlüftet. In Monterosso selbst gabs dann ordentlich lecker Essen, danach schnappten wir uns den nächsten Cinque Terre Zug zurück nach Levanto.
Für Donnerstag + Freitag wurden dann Wellen von 4m bis zu 6m Höhe angesagt.. und wieder Sturm mit Böen bis zu 90km/h. Das war schon ziemlich heftig für die Gegend.. Glücklicherweise liegt der Campingplatz so im Tal, dass der Wind aus Westen einem nicht so viel anhaben kann. Zumindest kommt er nur durch Verwirbelungen wirklich hinein, nicht direkt. Und so flog auch nix groß durch die Gegend und wir konnten auch das Aufstelldach oben lassen.
Am Donnerstag und Freitag war der Sturm mit den 4-6m hohen Wellen dann wirklich krass.. teilweise wurde der Strand von der Polizei gesperrt, da die Wellen bis an die Promenade rollten. Immer mehr Zeug war im Wasser zu sehen, vor allem aber Holz, Äste, Baumstämme, Teile von Stegen..
Freitag Morgen war ich wieder mit Gina am Strand und sah, dass irgendein Vollidiot sein Segelboot immer noch nicht reingeholt hatte.. das lag da schon die letzten Tage an einer Boje, aber ich hätte gedacht, dass man das vor so einem Sturm dann mal rettet. In dem Video, das ich am Strand gedreht hatte, sag ich noch „Hm ich glaub, das Boot ist nicht mehr lange da“ .. und als wir Mittags zurück zum Strand gingen, war es verschwunden und verdächtig nach GFK – Bootsrumpf – aussehende Teile wurden an den Strand gespült.. außerdem Rettungswesten, ein Schlauchboot, Rettungsring, Polster usw….
Olaf fragte ein paar Einwohner – natürlich standen alle wie gebannt an der Promenade und staunten über die für Levanto riesigen Wellen. Die Einwohner sagten, dass das Boot gesunken sei. Sie hätten dem Besitzer mehrmals gesagt, er solle es reinholen, aber er hat einfach nicht reagiert. Vollidiot! Inzwischen roch es auch nach Benzin und man sah auch einen Benzinfilm auf dem Wasser… grrrrr am liebsten hätten wir den Kerl persönlich getroffen und ins Meer geworfen.
Der Sturm tobte den ganzen Tag und immer wieder kamen wir an den Strand zurück. Riesige Holzteile, Reste vom Segelboot, Teile eines Steges aus der nächsten Bucht, Baumstämme .. alles mögliche wurde im Wasser herumgeschleudert. Ein paar Surfbretter, ein SUP, ein paar Kajaks wurden an Land gespült – natürlich alle kaputt und verbogen. Die hatten die Wellen wohl irgendwo aus der Verankerung gehoben und mitgenommen.
Ein rotes Kajak ließ sich von den Wellen stundenlang mitschleudern.. es schien in der Mitte durchgeknickt zu sein, die Spitze schaute die ganze Zeit in den Himmel. Am nächsten Morgen lag dann eine rote Hälfte davon am Strand – die andere hatte das Meer wohl weitergetragen.
In einer Ecke der Bucht lagen eine Menge kleiner Nussschalen mit Außenborder – vermutlich kleine Hobbyfischer-Boote oder so. Der Strand ist hier nicht sonderlich breit und so unterspülten die Wellen die Boote ziemlich schnell. Eines von ihnen lag irgendwann nicht mehr da – das wurde wohl dann inklusive seines Beton-Pollers vom Meer mitgenommen. Oder die Besitzer haben es vorher noch schnell gerettet. Den Betonpoller fanden wir jedenfalls später wo anders am Strand wieder, vom Meer angespült..
In der anderen Ecke der Bucht war ebenfalls ein kleiner Hafen – hier lagen viele Boote hoch genug im Winterlager, so dass sie nur Spritzwasser abbekamen. Doch in einer kleinen Bucht daneben waren ein paar alte Italiener schwer damit beschäftigt, den angespülten Müll (Paletten, Baumstämme,..) von ihren kleinen Nussschalen zu entfernen und ihre Boote irgendwie zu schützen. Da sie aber mehr diskutierten als arbeiteten, war der Fortschritt nicht sonderlich zu sehen.
Am Samstag morgen, bevor wir weiter fahren wollten nach Florenz, liefen wir noch einmal die ganze Bucht entlang. Vom Segelboot war inzwischen noch mehr angespült worden, aber richtig große Teile blieben aus. Überall lagen Holzbretter, Paletten und vor allem viel natürlicher „Müll“ – Baumstämme usw – herum. Zum Glück war es nicht allzu viel Plastikmüll. Aber um ein Aufräumen kümmerte sich hier keiner. Die Surfer saßen zu hunderten auf ihren Brettern, denn heute sollten die Wellen perfekt sein. Viele Menschen liefen am Strand herum und bestaunten das Ergebnis des Sturms, die Besitzer der Boote oder Strandcafés räumten gemächlich auf.
Das Meer spülte weiterhin große Holzbretter an. Wir fragten uns, wieviele Surfer heute wohl entweder von einem anderen Surfer über den Haufen gefahren werden würden oder von Treibgut erschlagen würden.
So richtig trennen vom Meer konnten wir uns nicht, und so standen wir noch lange da, beobachteten die Surfer, genossen die Sonne und verabschiedeten uns vom Meer. Schade, dass der Sommer nun wirklich vorbei ist. Wir könnten ewig so weitermachen.















































Wer gute Augen hat, sieht links vor den Bergen den Mast vom Segelboot schwanken.. noch.. am Mittag wars dann vom Meer verschlungen 😩
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