Boh.

Irgendwie war von Anfang an der Wurm drin und die Stimmung komisch.

Wir kamen bestens gelaunt nach unserem sehr entspannten lustigen Besuch bei Elke und Hakan in Arezzo an… Warum denn Arezzo? Naja Lucca ist zu abgedroschen, kenn jede Taube dort beim Namen, aber es ist Herbst und damit aus meiner Sicht die schönste Zeit in Italien und Arezzo schien ein kleines Lucca sein zu können, mindestens, magari…

Es ging gut los, am Ortseingang gab es einen Esselunga, der dem besten aller Esselungas in Lido di Camaiore ebenbürtig war.
Wir hatten mit unserem Vermieter Christian geklärt, dass wir mit dem Bulli wie er sagte 20 min vor dem Altstadthaus halten können, zum ausladen der Dinge, die wir in der Wohnung brauchen würden. Nach dem pünktlichen Halt vor der Wohnung, wollte er ferngesteuert die Tür öffnen und wir packen unseren Kram fix hoch und parken dann die Karre sicher in einem Hof 800m entfernt… soweit so gut geplant, nur die Tür summt zwar, aber geht nicht auf und wir stehen da mit unserem Salat – wie Robert inne Erdbeeren – moderne Technik scheitert, wenn jemand die Tür einfach richtig mechanisch abschließt. Also nix mit rein und Bulli ausladen… sondern die angekündigten 10 min (es wurden 30 min)  warten bis jemand kommt, der die Tür echt öffnet. Wäre da nicht nach 30 Sekunden schon der erste GLS Mensch gewesen, der dann hinter unserem Bulli genervt hält-das 2. Auto steht 20 Sekunden später dahinter und der Fahrer findet die Hupe ziemlich schnell. Also mit dem Bulli eine Runde durch die komplette Altstadt gedreht, nur um nach 20 Minuten 20 Meter vor unserem Haus wieder warten zu können (Senso unico eben), bis der Mensch… ach naja Schluss damit, letztlich war das eine einzige Scheiße, Laune komplett hinüber, Wohnung in der Altstadt mit Parkplatz woanders funktioniert nur begrenzt und bei der Abreise war es alles trotz der dann 06:30 morgens noch viel schlimmer… Quatschkram. In der Anzeige in Airbnb hieß es kostenloser Parkplatz am Haus, Lügner – die Lehre aus der Geschichte, schon da hätten wir canceln sollen und den Vogel bei Airbnb denunzieren.

Die nächsten 3 Tage waren wir in Arezzos Altstadt und in den Bergen drumrum unterwegs, alles ganz fein, super nett und hübsch, aber irgendwie auch kein Knaller, alles irgendwie etwas lame, alt, provinziell und ohne Touristen verlassen, ohne eigenes Leben, schade, eben doch kein 2. Lucca.
Einzig die Sprachschule schien vielversprechend und wir buchten ab Montag jeweils zeitversetzt einen Kurs für jeden.

Und dann kam der Sonntag abend, den ich wohl nie vergessen werde…
Die nigelnagelneue Küche in der ansonsten ganz guten Bude hatte einen völlig überdimensionierten Induktionsherd mit 6 ! Kochstellen und Touch-Bedienung und vermutlich auch mit WLAN und KI. Ganz großartige Sache, nur dass unsere Kaffekanne, eine Lavazza Carmencita von Balzano aus ca. 1997  (Edelstahl-Legende!) auf der tollen Kochstelle mal wieder nicht zur Mitarbeit zu bewegen war, sie mag eben nur manche Induktionsherde… den hier fand sie scheiße… also schnell den Campinggaskocher aus dem nur 12 km entfernt parkenden Bulli gefischt und los gehts mit ordentlichem richtigen Kaffe, weil die Plastik Nespresso Grütze, die der Vermieter vorgesehen hatte, wollten wir nicht. Hinterher sagte er allen Ernstes, man dürfe in der Küche ja auch nur die Dinge benutzen, die der Vermieter vorgesehen hat, hä? Scharfe Messer fehlten zum Beispiel komplett, auf Nachfrage seiner Meinung nach unnötig, darf man also auch keine eigenen Messer benutzen?
Sonntag abend gab es dann Pizza zu futtern und nachdem der eine oder andere noch Hunger hatte, blubberten auf der Kochstelle gaaaanz rechts in der Ecke ein paar Penne fröhlich im Topf. Wir guckten dazu gerade eine prima Folge Big Bang als es plötzlich alles schwarz wurde, ein ohrenbetäubender Knall einem den Atem raubte und ich einen Tritt in den Rücken bekam. Glasscherben, Metallteile, Plastikteile, Kaugummis, Balsamessig, Hunde-Mineralpulver, kochende Nudeln, Nudelwasser, 2 Sorten Öl, Sojasauce und Unmengen Kaffee fliegen uns um die Ohren und an die Wände und einfach überall hin. Ich bekomme vor Schreck einen Schreikrampf und komm für ein paar Augenblicke gar nicht mehr klar… so funktionieren also diese Blendgranaten.
Nachdem Jule den völlig ausgeflippten alten Mann wieder eingefangen hat, gucken wir uns den Schaden an…. die fette Induktionsplatte ist Geschichte in 1.000 Teilen, die Dunstabzugshaube darüber völliger Schrott, der Schrank darüber ist demoliert und die Arbeitsplatte darunter hat einen fetten Sprung. Dazu haben die Wände im weiteren Umkreis eine neue widerwärtige Gestaltung in kaffeebraun mit Ölflecken und Sojaölsprossen. Alter Schwede, unschön. Wir selbst haben vor allem mental einen weg, zittern noch herum und Jule muss ein paar Glassplitter aus meinem Rücken puzzeln, aber soweit super Glück gehabt, vor allem auch Gina, die direkt vor dem Herd lag, als er explodiert ist. Es war wie bei Pulp Fiction in der Szene mit den Einschusslöchern in der Wand… eigentlich gar nicht möglich so viel Schwein zu haben. Schlimm is auch der Geruch, eine eklige Mischung aus allem, vor allem stechend nach verbranntem Kaffee.

Tja aber was ist denn nun eigentlich passiert? Ehrlich gesagt, fragen wir uns das jetzt seit 5 Tagen und wissen es nicht wirklich. Ja o.k. explodiert ist u.a. die Gaskartusche, aber die war mind. 50 cm von der angeschalteten Platte entfernt, also Induktionswirkung scheidet da eigentlich aus, außer die Platte ist komplett defekt. Vielleicht ist ja auch erst die Platte explodiert und hat die Kartusche dann getroffen? Laut Google gibt es solche Fälle (ohne die Gaskartusche) Oder ich habe versehentlich eine Platte ganz links in der Nähe der Gasflasche angemacht, Touch sei Dank? und die bleibt dann an ? Bei unserer Kaffeekanne war sie dagegen sehr ungnädig… oder sie hat die Kaffeedose induziert? Ist die aus Stahl, nicht aus Alu? Das würde zumindest den widerlichen Geruch erklären… und die Kaffeedose war eigentlich fest zugedreht, nach der Explosion lagen Unterteil und Deckel aber weit verstreut… dann hätte die Kaffeedose die Gasflasche mit hochgejagt? Alles denkbar, wir werden es wohl nie erfahren. Was die Versicherung bzw. Airbnb dazu sagt, ist zur Zeit noch völlig unklar, ich befürchte die geschätzten 3.000 Flocken Schaden werden wir uns teilen müssen, dann gibt es wieder wochenlang nur Nudeln Pesto, aber diesmal ganz vorsichtig erhitzt (nur noch auf Sparflamme, wie Thomas sagt).
Wir waren danach jedenfalls restlos bedient, der Vermieter und der Proprietario mindestens genauso und wir haben am nächsten Morgen nach einer gruseligen Drecksnacht Arezzo fluchtartig verlassen, mai più Arezzo.

Quasi ohne Schlaf, ohne Essen, ohne Kaffee, mit dem Kopf voller Explosions-Erinnerungen und dem Geruch nach verbranntem Kaffee in der Nase auf der Flucht zu sein, ohne Ziel und ohne Zuhause ist definitiv nichts, was wir wiederholen wollen. Nachdem wir uns morgens um 6:30 fast mit den Anwohnern geprügelt haben, die es uns nicht gestattet haben, das Auto kurz 2 Minuten lang zu packen in dieser scheiß engen Gasse, flohen wir also raus aus Arezzo. Ein geöffnetes Café war nirgends zu finden und so fuhren wir irgendwann spontan in Richtung Lucca zurück. Das kennen wir, hier fühlen wir uns wohl. Leider Pustekuchen – denn die Comic Con 2023 läuft gerade und selbst die Unterkünfte unten in Viareggio und co sind fast alle weggebucht. Der Campingplatz bei Lucca lag so bescheuert, dass wir also spontan ans Meer weiterfuhren.. Bei prasselndem Regen auch alles nicht so richtig geil. Stimmung im Eimer, keine Unterkunft und totale Ungewissheit, was jetzt mit diesem Schaden passiert.. dazu die PTS von dem scheiß Knall.
Wir grasten Airbnb ab und fanden schließlich ein letztes Häuschen in Viareggio. Buchungsanfrage gestellt, Daumen drücken, hoffentlich reagiert der Typ bald. 
Als wir gerade neu planen wollten, kam die Bestätigung. Immernoch mit leeren Mägen machten wir uns auf zum Self-Checkin.. nur um die Bude 2 Minuten später via Airbnb zu stornieren. Warum zur Hölle vergeben die Leute lauter gute Bewertungen für so eine Drecksbude?
Das erste war der Garten. Sah gar nicht so schön aus wie auf den Bildern.
Dann die Lage – direkt hinter dem Haus lag ein geschlossenes Hotel mit veralgtem Pool, Garten an Garten. 
Dann der Geruch – abgestanden und nach schimmeliger Kleingartenbutze roch es da drinnen. 
Die Möbel, die Dekoration, … uah.. Flecken auf den beiden Sesseln, die auf den Fotos top neu und leuchtend Gelb waren – in echt ausgesessen, fleckig und beige.
Der Kühlschrank, bzw. das Eisfach, war komplett verschimmelt. 
Der Geschirrspüler war geschlossen und als ich ihn öffnete, war er voll mit (immerhin gewaschenem) Geschirr der Vormieter, unten stand die Maschine komplett voll mit altem Wasser. Bääääähhhh
Die Toilettenspülung kam gar nicht in Gang – einmal pro Stunde spülen war maximal drin.
Die Waschmaschine funktionierte einfach mal gar nicht. 
Soviel dazu, das reichte uns definitiv, und glücklicherweise auch Airbnb. Also nach 2 Minuten wieder raus aus der Butze, alles mit Airbnb geregelt und zurück in den Bulli.
Und nu? 
Erstmal essen.
Im Endeffekt haben wir beschlossen, dass Campen wohl die sicherste Variante ist. Im Bulli fühlen wir uns wohl. Levanto war die beste Idee, die aufkam, denn dort waren wir schon im März und es war einfach nur toll. Der Campingplatz ist ganzjährig geöffnet und wir brauchten jetzt einfach etwas, das uns vertraut ist, um nicht noch mehr böse Überraschungen zu erleben. Noch eine solche Geschichte direkt im Anschluss, und wir brechen die Reise ab… 
Spoiler Alert: es gab zum Glück erstmal keine weitere böse Überraschung in den nächsten Tagen.. 

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