Nachdem wir dann diese traumhafte Gegend bei der Fischfarm hinter uns gelassen hatten, war die folgende Woche von tausenden von Kilometern Fahrerei durch ganz Spanien, durch Sturm, Regen, Hagel, Sahara-Wind, Dauerregen, Gewitter und damit: Flucht vorm Klimawandel geprägt. Und auch von weiteren gruseligen Bausünden, soweit das Auge reicht. Wenn wir auf den langen Fahrten durch Spanien an einem Ort vorbeikamen – also häufig – dann war dieser IMMER geprägt von diesen gruseligen Mehrfamilienblocks oder Hotelblocks nach Ostblock-Art. Das lud nicht gerade dazu ein, irgendeinen dieser Orte je zu besuchen.

Unser nächstes Ziel nach der Fischfarm war Córdoba, beziehungsweise ein Campingplatz nördlich von Cordoba im Parque los Villares in der Sierra de Córdoba. Der Campingplatz war toll, mitten im Pinienwald und umgeben von einer wahnsinns-Natur – siehe Galerie. Wir haben am ersten Abend gleich den Sahara-Wind abbekommen – der Sand flog eher über uns drüber, der Himmel war leicht rötlich. Aber ansonsten haben wir es nur bemerkt an der warmen Brise, die plötzlich gegen 21 Uhr aufkam. Den Sand habt ihr ja dann jetzt in Deutschland – mehr als eine Woche später. Verrückt.
Am nächsten Tag haben wir uns eine Wanderroute durch den Naturpark direkt ab Campingplatz rausgesucht. Woooow was für eine Natur! Sind wir in einer Filmkulisse?? Es blühte überall – rosa, lila, gelb, weiß. Dann kamen dazu flache Felsen, wie ausgewaschen, hier muss mal vor laaanger Zeit ein großer Fluss geflossen sein. Dann wieder Pinien, alles drumherum am blühen, und dann, um den Kitsch zu vervollständigen, ein Bach mit kleinem Wasserfall und daneben riesige aufeinandergestapelte Felsen, als hätte ein Riese sich die vier Felsen mal genommen und geschaut, wie sie zusammenpassen. Ja nee, is klar. Und wir trafen auf der gesamten Wanderung keinen Menschen.

Dann kam der Regen – und hielt leider erstmal für 24 Stunden an. Wir schauten uns das wirklich hübsche Judenviertel von Córdoba im Dauerregen an und waren klatschnass, als wir mit dem Bulli im strömenden Regen wieder hoch zum Campingplatz fuhren, um immernoch bei Regen unser Camp wieder aufzubauen..
Wir waren durch den andauernden Regen in unseren Möglichkeiten zu arbeiten ziemlich eingeschränkt. Im Bulli zu zweit sitzen und arbeiten geht gar nicht. Olaf saß bisher immer draußen – der friert nicht so leicht – während ich im Bulli schon mit Standheizung saß. Olaf verdrückte sich dann in die Bar des Campinplatzes zum Arbeiten. Am nächsten Tag wurden wir dann auch noch mit Hagel und sechs Grad statt Sonne und 15 Grad überrascht. Das war dann doch zuviel, also beschlossen wir, einen Tag früher als geplant nach Tarifa weiterzufahren. Dort war zwar mehr Wind angesagt, aber auch mehr Sonne.

Das Wetter in Tarifa hat uns dann einen weiteren Tritt in den Arsch gegeben. Nachdem wir dort vier Tage lang ausgiebig das Bullileben mit geschlossenem Aufstelldach bei Sturm und Regengüssen wie aus der Dusche genießen durften wie die Sardinen in ihrer Büchse, mehreren Klaustrophobie Anfällen und Ausrastern sowie Tritten auf Pfoten oder Schwanz vom Wauwi, der ja auch irgendwo in der Büchse noch liegen muss, beneideten wir die anderen Leute mit ihren großen Campern dort doch ziemlich.
Der Surfer ansich fährt anscheinend keinen Bulli mehr, sondern große Pössel Camper oder ausgebaute Sprinter oder Weissware-Wohnmobile vom Feinsten.
Gut, die Leute in Tarifa bleiben in der Regel lange. Unsere Nachbarn zum Beispiel aus Westerland standen schon so lange dort, dass ihr Stromkabel im Gras eingewachsen war.
Leider waren sie typisch nordfriesisch mundfaul. Er fuhr mit seinem spanischen Opel Corsa ständig zum surfen runter, seine Frau sah man nie. Die schien im Camper festgewachsen zu sein wie deren Kabel am Boden.
Die nächsten Nachbarn, aus Kölle, waren schon seit September in Tarifa. Mit riesen Wohnwagen, mega Vorzelt und uralter Katze.
VW Bullis oder andere Mini Vans sah man selten, und jetzt wissen wir auch warum.
Ein Mitarbeiter erzählte uns dann auch, dass dort regelmäßig Bullis vom Wind enthauptet werden. Deshalb war unser Aufstelldach ja auch die meiste Zeit geschlossen – das Drama eines im Aufstelldach zusammengequetschten Olafs oder eines nach hinten weggerissenen Aufstelldachs wollten wir uns gern ersparen. Schade, der Campingplatz war ein Traum, der Blick rüber nach Afrika, es passte echt alles. Nur das Wetter und unser Auto nicht 😏

Gut, also Tarifa, irgendwie wettertechnisch auch scheiße. Als wir von der Unwetterwarnung mit Massen an Regen und Windböen bis 100km/h lasen, wurden wir doch nervös. Die Kiter freuen sich drüber, aber wir wissen nicht, wie wir das alles ohne Aufstelldach und ohne Markise und ‚Außenbereich‘ schaffen sollen.
Wir mieteten ein kleines olles Zimmer über der Rezeption dazu mit einem Bett von Anno 1977, jede Feder der Matratze konnte man einzeln in der Hüfte spüren. Wauwis durften auf diesem Campingplatz nirgends mit rein – sonst hätten wir einfach ein Bungalow gemietet für die Unwetter-Phase..
Also weiter auf der Flucht.. was für ein Schwachsinn… bevor der Bulli bei den angesagten Regenmassen mit Gina und mir den Hang runtergespült wird oder unser armes, tapferes Materialzelt geflutet wird – es hielt schon tagelang dem Sturm und Regen stand, aber es brach ständig ein und der Boden ließ langsam das Wasser durch.. flohen wir also weiter, wieder gen Norden.
In unserer Krisensitzung nach ein paar Tagen Sturm+Regen in Tarifa hatten wir diverse Beschlüsse gefasst – unter anderem, dass Bulli und mieses Wetter und Arbeiten nicht zusammenpasst.
Wie die langfristige Lösung für dieses Problem aussieht – wir werden sehen.
Aber erstmal hieß es – wir skippen Portugal und Nordspanien und auch Groß-Britannien – wie schade, denn wir hatten uns drauf gefreut. Aber unser Zelt, der Bulli und unsere Nerven machten das alles nicht mehr mit. Mein Arbeitspensum war seit Monaten enorm und so mussten Olaf und ich beide in Ruhe arbeiten können und nicht immer panisch rausrennen um das Zelt oder die Markise oder andere Dinge zu retten vor dem bekloppten Wetter.

Wir bauten also alles im prasselnden Regen ab, fuhren den Bulli vor die Schranke vom Campingplatz und verdrückten uns klammheimlich MIT Wauwi in das mini Zimmer über der Rezeption.. alles war klatschnass, draußen tobten Sturm und Regen weiter.. Immerhin stand der Bulli jetzt windgeschützt und all unser Zeug war darin sicher verpackt. Die Nacht war echt heftig. Selbst Gina lag viel wach und hörte dem Sturm und dem prasselnden Regen zu.. wir waren sooo froh, dass wir uns zu dieser Flucht entschieden hatten.
Morgens seeehr früh ging es dann weiter, direkt nach Zarautz, also Nordspanien, 1100km am Stück. Egal, nur weg, endlich weniger Wind, Aufstelldach hoch, mehr Sonne, Ruhe, keine Flucht mehr.
Denkste. Nach 1100km durch traumhafte Natur – das kann Spanien – und oberhässliche Architektur, so dass Olaf am liebsten direkt in den nächsten Flieger gestiegen wäre nach Hamburg – kamen wir in Nordspanien an. Der Campingplatz oben auf der Klippe hatte ne schicke Lage, war aber recht groß und vor allem randvoll mit Spaniern, die bei diesem kühlen Wetter unbedingt ihr heiliges Osterfest feiern mussten. Die heilige Woche! Ohman. Hätten wir davon vorher gewusst…
Unser Stellplatz war zum Glück recht windgeschützt und der Strand unten – bis auf die unglaublich schrecklichen Gebäude (Typ: Bürogebäude in der Nordkanalstraße in Hamburg) echt nice.
Aber in der zweiten Nacht gings wieder los mit dem Sturm… viel mehr als angesagt war… windgeschützter stehen konnten wir nicht, und wieder ging es darum, dass das Dach dem nicht standhalten wird.. ein paar Ausraster unsererseits… der Wauwi völlig wirr…
Also wieder Flucht.. zum Glück war die französische Grenze nicht weit. Wir wollten nur noch weg aus diesem Land, dieser Hässlichkeit (menschengemacht) und diesem bekloppten Wetter (von wegen, in Spanien ist immer gutes Wetter!).
Im Nachhinein wissen wir, dass wir das Tief ‚Nelson‘ voll ausgereizt haben, welches in der Osterwoche sogar 4 Menschen das Leben gekostet hat in Spanien. Die Trinkwasser-Reserven, die in den letzten drei Jahren durch die Dürre so sehr zur Neige gegangen waren in Ost- und Südspanien, waren nun wieder mehr gefüllt und alle entspannten sich wohl etwas. Schön. Und wir waren mittendrin.. yay..

Geflohen sind wir letzten Endes auf unseren geliebten Campingplatz Lous Seurrots am Französischen Atlantik.. wir waren im September am Anfang der Tour schon hier und waren gleich verliebt.. hier wollten wir nochmal herkommen. Und schon sind wir – viel früher als gedacht – wieder dort. Und weil das ganze mit dem Campen im Bulli und arbeiten bei miesem Wetter nicht geht, haben wir uns ein kleines Bungalow gemietet, in dem wir jetzt erstmal zur Ruhe kommen und weiter planen können…
Aber klar ist: wir kommen bereits Ende Mai zurück nach Hamburg – meine Bude wird dann schon frei und wir können England nicht in dieser Konstellation mit Bulli + arbeiten bei typischem englischen Wetter machen.. da muss eine Lösung her, bevor wir wieder länger auf Tour gehen!

What a hell of a ride!!!

Hammer Natur in der Sierra de Córdoba
Sturm in Tarifa..

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