Unseren Weihnachts-Wanderungen muss einfach ein eigener Blogbeitrag gewidmet werden. An Heiligabend – feiern die Italiener ja nicht, die sind da sehr amerikanisch drauf – sind wir nochmal von der Casa Amici aus auf Erkundungstour gegangen. Ungefähr auf gleicher Höhe Richtung Nord-West steht ein weiterer Hof, gut versteckt und umringt von Bäumen, inmitten von einem frisch gesäten Feld. Wir wollten mal herausfinden, ob dieser Hof noch bewohnt ist, oder ob wir ihn ansonsten ausspionieren und als Gassi-Ziel nutzen können.
Also unseren Hang ein Stück runter und dann mal wieder am Rande eines klumpigen Lehmfeldes entlang.. bis zum gesäten Feld. Hier sind wir natürlich nicht ganz legal am Feldrand lang, vorsichtig bedacht, nicht auf die frischen grünen Getreidespitzen zu treten. Der Hof war von dort unten einigermaßen gut zu sehen und sah einfach zu gut in Schuss aus – aber anscheinend war (unser Glück) gerade niemand zu Hause. Später erfuhren wir von Hakki, dass das Haus erst vor Kurzem komplett leergeräumt wurde von Einbrechern und seitdem gut mit Videoüberwachung geschützt ist 😅
Ein Glück sind wir nicht näher herangeschlichen..
Vom Schleichmodus am Feldrand entlang kamen wir auf eine völlig brachliegende Wiese, die mannshoch mit Gedöns bewachsen war. Macchie trifft es wohl mal wieder am Besten. Eine Mischung aus Brombeeren und diversen anderen stacheligen Sträuchern, aber auch freundlicheren Pflänzchen wuchs da wild vor sich hin. Wir hofften einfach mal, keine Wildschweine aufzuscheuchen.. (obwohl, als Braten an Heiligabend auch nicht verkehrt..). Nachdem wir uns da ganz gut über Wildpfade durchgekämpft hatten, kamen wir etwas abenteuerlich über einen Graben (oder war es einfach eine Erdspalte?) auf ein abgemähtes, brachliegendes Stoppelfeld. Wow – was für ein Blick ins Tal. Und wow – was für ein Wetter. Am 24. Dezember auf einer Wiese in der Sonne sitzen, nur mit Pulli bekleidet, habe ich vorher auch noch nie erlebt. Und es tut soooooo gut!! Da merkt man erst, wie sehr einem im Winter normalerweise das Vitamin D und das Licht fehlen. Kein Ansatz einer Winterdepression, keine Müdigkeit wie man sie sonst im Winter zu Hause hat, nicht das Gefühl, dass es nie hell geworden ist seit Tagen. Wahnsinn. Diese Gefühl und diese Erinnerung muss ich mir ganz ganz tief einprägen, damit man nächsten Winter nicht wieder zu Hause eingeht.
Nach mindestens anderthalb Stunden in der Sonne haben wir die Tour bis zu dieser Ruine, die gerad erst aufgebaut/renoviert wurde und mal ein Agriturismo werden sollte, fortgesetzt und sind dann über einen normalen Weg und ohne uns durch Gebüsch zu kämpfen zurück zum Haus gelaufen.
Ein heißer Kakao mit Rum (oder doch eher ein kaltes Bier, weil ist ja warm?) und ein Nachmittagsschläfchen, dann konnte es losgehen mit den Vorbereitungen fürs Weihnachtsessen und die Bescherung 😊
Am nächsten Tag – in Italien dann Natale, also wirklich Weihnachten – habe ich uns einen Tipp aus einem Blog herausgesucht, den ein paar zugewanderte Frauen hier in den Marken betreiben (Danke Elke für den Tipp!). In dem Blog, der praktischerweise auf Deutsch verfasst ist von einer anderen Elke, die ebenfalls hier in der Nähe von Cupramontana mit ihrem Mann ein Haus gekauft hat, gibt es eine Karte mit lauter Stecknadeln und den entsprechenden Tipps. Einer davon war Elcito, und da die Beschreibung und die Bilder so toll waren, nahmen wir uns das mal vor.
Spoiler-Alert: WOW.
Elcito – auch das kleine Tibet der Marken genannt (Elcito, il piccolo Tibet delle Marche) – ist ein kleines Dorf, welches im 13. Jahrhundert als Burg auf einem Felsvorsprung in 821 Metern Höhe erbaut wurde und zur Verteidigung der Benediktinerabtei Valfucina diente. Elcito lebte damals autark und wurde auch im Winter gerne mal durch 1,50m hohen Schnee von der Außenwelt abgeschnitten. Heute wohnen dort nur noch 2-3 dauerhafte Einwohner, die restlichen (bewohnbaren) Gebäude sind Ferienwohnungen und eher im Sommer bewohnt.
Wir sind also nach Elcito gefahren, haben neben irgendeiner total verfallenen Ruine geparkt und sind einem Wanderweg von Komoot gefolgt. Durch den Ort selbst sollte man am Ende der Wanderung kommen.
Der Weg führte erst einmal eine ungenutzte Straße entlang mit schönem Blick ins Tal. Dann bogen wir irgendwann ab, durch einen Zaun hindurch und ahnten schon, dass dieser Zaun und dieses Tor für Wanderer bedeuten müssten, dass hier irgendwelche Tiere wohnten.
Viele Minuten der Spakulation und was-wäre-wenns später lag schon das erste riesige, weiße Rind im Weg. Ohje.. hoffentlich haben die keine… oh guck mal, da sind Kälber… urgs. Hoffentlich haben die keinen Bullen mit auf der Weide…
Nein, schien nicht so und nachdem wir ein anderes Pärchen mit Hund vorgelassen haben (sie meinten, solange der Wauwi die Klappe hält, geht alles gut..schluck.. Gina bellt doch alles an..) ging auch alles gut. Ich hab allerdings Blut und Wasser geschwitzt und Gina an kurzer Leine mit leckeren Kaustangen als Bestechung an den Rindern und ihren Kälbern vorbei geführt.. und die Viecher waren teilweise echt riesig..
Die Weidefläche war endlos groß, wunderschön hügelig, lag voll in der Sonne und der Zaun war nicht zu sehen. Diese Herde hatte hier wirklich das Paradies erwischt. Und der Blick von dieser Höhe runter ins Tal… einfach Wahnsinn. Auf der einen Seite konnte man den Lago di Cingoli weit unten sehen. Auf der anderen Seite wieder Elcito – sooo hübsch, so alt.
Der Wind pfiff ganz ordentlich aus Westen und mit dem kalten Wind und der Rinderherde im Nacken liefen wir dann doch lieber weiter, statt schön Pause mit Blick ins Tal zu machen..
Nach einem ordentlich steilen Abstieg von ca. 150 Höhenmetern kamen wir dann in Elcito an. Wow – wie hübsch! Und wie alt! Und was für ein Gefühl, durch diesen uralten Ort zu laufen. Wir kommen auf jeden Fall nochmal wieder – und alles andere sagen Bilder deutlich besser als Worte – schaut mal in die Galerie 🙂






























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