Wir haben gerad überlegt, welches Wort das alles hier zusammenfasst. Die Italiener sagen gerne „meraviglioso“ – wunderbar – wenn sie total begeistert sind. Also – das fasst es ganz gut zusammen, auch auf Deutsch.
Nach einer leider seeehr regnerischen Zeit in Florenz in dieser gruseligen Wohnung sind wir am 14.11.23 früh am Morgen aus Florenz abgehauen. Mein Vater fuhr mit dem Taxi zum Flughafen – der Bulli war sowieso viel zu voll, da hätten wir nicht alle zusammen reingepasst.
Schon am frühen Mittag waren wir am Gardasee – wir wollten das schöne Wetter unterwegs mitnehmen und eine Pause mit tollem Blick über den (riiiesigen) See genießen. Hat geklappt, war mega schön, die Weite und die Sonne taten gut. Der Ort Torbole im Nord-Osten war wie leergefegt. Nebensaison hat echt was. Wir konnten Gina frei am Strand laufen lassen (in der Saison absolutes Wauwi-Verbot) und uns einen Parkplatz aussuchen.

Als wir dann am Nachmittag in Kastelruth, bzw. in St. Valentin auf dem Trieferhof (nach einiger Kurverei über enge, steile Straßen) ankamen, knallte die Sonne aus allen Knopflöchern von einem königsblauen Himmel. Das Schlern-Massiv mit seinen 2500m Höhe erstrahlte in vollster Pracht und mit einer Schneekuppe wie aus dem Bilderbuch direkt gegenüber vom Hof, in nur 2km Luftlinie entfernt.

Verena brachte uns in unsere Wohnung und uns klappten die Unterkiefer herunter. Woooooooowwwww….. dieser Blick vom Balkon… unglaublich. Unvergleichlich. Unübertrefflich. Verena freute sich über unsere Begeisterung – sie sagte, wenn Gäste an einem sonnigen Tag ankommen, ist es immer am Besten.
Schaut euch das Titelbild von diesem Blogbeitrag an – das ist unser Blick vom Balkon, unser Blick beim Essen, beim Arbeiten, beim Kochen, beim Chillen. (Beim Schlafen schauen wir hinten raus Richtung Norden und sehen die beiden Esel Maxi und Frieda auf der Weide grasen ☺️ )

Olaf räumte den Bulli aus, während ich mit Gina die dringend nötige Gassirunde lief – dummerweise ging es aber nur steil hoch oder steil runter.. naja, ist alles Trainingssache. Aber auf dem Weg an der Eselweide vorbei den Hang hoch musste ich doch mehrmals anhalten und die Atmung sich beruhigen lassen.. uiih das war bestes Training für den ganzen Körper.
Zurück in der Wohnung mussten wir natürlich die restliche Sonne nutzen und uns mit einem leckeren Aperol auf den sonnengefluteten Balkon mit dem wahnsinns-Blick setzen. Gegenüber also das Schlern-Massiv. Einfach immer nur zum anstarren und Kopf schütteln, sooo schön. So rauh, so faszinierend. Im Westen das Tal und dahinter die schneebedeckten Alpen – abends sieht man ihre Silhouette im Sonnenuntergang, morgens glühen sie rot angestrahlt vom Sonnenaufgang.

Im Osten der herbstlich leuchtende Wald (die Lärchen färben sich), dazwischen immer wieder Schnee. Auch aus den nach Osten ausgerichteten Fenstern haben wir also einen traumhaften Blick, und vormittags strahlt die schöne Wohnung vor Sonne.

Die Wohnung ist top modern, sehr gemütlich (heißt ja auch „Gemiatlichkeit“) und total sauber. Es fehlt an nichts. Das Haus ist ein Energiesparhaus, das mit dem eigenen Holz des Hofes 2016/2017 saniert wurde und sogar mit Wand- und Fußbodenheizung ausgestattet ist. Der Wauwi und wir fühlen uns hier echt pudelwohl und auch der steile morgendliche Gassi-Weg hoch an der Esel-Weide vorbei ist inzwischen kaum noch ein Problem. Und die Familie Silbernagl mit drei Generationen ist super sympathisch. 
Am Besten ist es, wenn man vormittags auf dem Balkon steht, Käffchen in der Hand, und die Hühner und Laufenten rausgelassen werden.  Die Laufenten sind soooo witzig..  auch die beiden Esel vom Hof sind unglaublich niedlich. Da wir irgendwie immer ein, zwei harte Brötchen vom Vortag über haben, die wir den beiden geben dürfen, kommen sie inzwischen schon den Hang hochgaloppiert (Maxi rennt, Frieda schreit rum, damit wir nicht ohne sie anfangen), wenn wir mit Gina vorbeikommen.
Ziiiemlich gewöhnungsbedürftig war allerdings der Geruch, denn jetzt sind die einzigen 1-2 Monate Nebensaison pro Jahr, und Nebensaison heißt anscheinend auch: Düngesaison 🤢💩
Die Güllegrube und der Misthaufen muss leergeräumt werden für den kommenden Winter, und so fahren und schippen die Bauernhöfe hier alle gleichzeitig ihre Gülle und ihren Mist auf die Wiesen.. boah, was ein Gestank. Vor allem, wenn man das nicht nur ein paar Tage lang aushalten muss.
Und wie gestaltet man die Tage auf so einem Bauernhof, etwas ab vom Schuss, ohne direkten Zugang zu einem Ort, zu Bars, Cafes, Restaurants, Schwimmbädern etc? 
Ganz klar: Wandern! (Und natürlich arbeiten.)
Am Vormittag wird gearbeitet, dann gehts Mittags raus – Wanderschuhe an, Rucksack gepackt, Wanderstöcke (jaja, die Dinger wertschätzt man bei diesen Steigungen dann doch) geschnappt, Wauwi freut sich schon und los gehts. Entweder mit dem Bulli in ein anderes Tal oder auf die Seiser Alm in den Schnee oder auch direkt vom Hof aus, an den Eseln vorbei hoch in den Wald. Der Rhythmus ist super, man gewöhnt sich echt dran. Die Sonne scheint täglich und wir bekommen immer mehr die Skifahrer-Bräune. Wir haben mal nachgeschaut: In Kastelruth scheint die Sonne im Januar am wenigsten mit (Achtung Hamburger und Bremer, ihr kotzt im Strahl) 5,5 Stunden durchschnittlich AM TAG.
Im Juli scheint sie am meisten mit (noch mehr Neid!) 12 Stunden durchschnittlich AM TAG. Boah. 
Verena (Hofbesitzerin) sagt, dass die Leute hier schon weinen, wenn mal 2-3 Tage keine Sonne scheint.

Die Wanderungen waren bisher alle mega schön. Egal, welche Route man bei Komoot raussucht und egal, ob man sie noch umplant, erweitert, abkürzt, umdreht.
Wir waren zweimal inzwischen auf der Seiser Alm – einmal mit Nina, die für eine Woche zu Besuch war – und einmal heute. So lange die Lifte nicht fahren (jetzt ist gerade Pause, Nebensaison halt), darf man mit dem Auto bis zur Bergstation hochfahren und dort kostenlos parken. Da oben ist natürlich auch alles geschlossen. Wenn man pro Jahr nur 2 Monate Nebensaison bzw. Pause hat und die restliche Zeit die Touristen einem die Bude einrennen, nutzt man das eben auch aus. An Geld mangelt es hier nirgends, bei 10 Monaten Tourismus-Saison ist das ja auch kein Wunder.. 
Also – zurück zum Wandern. Da oben liegt eben auch schon einiges an Schnee. Die Schneekanonen laufen schon, die Pisten werden präpariert, die Gondeln und Sessellifte gewartet. Und wir wandern durch den Schnee, über leere Pisten, an leider geschlossenen Hütten vorbei, immer in der Sonne. Nach der ersten Wanderung da oben haben wir uns dann doch Spikes für die Schuhe zugelegt.. man mag es für übertrieben halten.. aber ist von euch schonmal jemand im Schnee 150 oder mehr Höhenmeter gewandert? Das ist echt anstrengend und vor allem super nervig, wenn man ständig wegrutscht, auch mit guten Wanderschuhen und den Rentner-Wanderstöcken.. 
Mit den Spikes hats heute jedenfalls mega Spaß gemacht und bergauf über Eisflächen und Schnee zu laufen war so natürlich überhaupt kein Problem mehr 🙂 Nur der Wind war fies kalt und bei Gina haben sich Eisklumpen zwischen den Zehen gesammelt, was ziemlich weh tut – sie braucht also im Schnee dann auch ihre Wauwi-Schuhe. Morgen starten wir einen neuen Versuch, diesmal auf der Plose in Brixen. Mal schauen, wie wir dann mit besseren Handschuhen für mich und Hunde-Schuhen für Gina klarkommen.
Die eher herbstlichen statt winterlichen Wanderungen finden dann ein paar Höhenmeter weiter unten statt, logisch. Aber man sieht das Schlern-Massiv hier natürlich überall herausragen und es gibt am Fuße des Schlern so viele tolle Wanderungen. Zum Beispiel vorbei am Völser Weiher (im Sommer ein Schwimm-See, jetzt sitzen hier alle Wanderer in der warmen Sonne), in dem sich der Schlern perfekt spiegelt, durch den Wald auf eine riesige, leicht ansteigende und voll in der Sonne  liegende Wiese, wo wir mit Gina Ball spielen und uns ebenfalls fett in die warme Sonne setzen – natürlich immer mit Blick auf den faszinierenden Schlern. Dann gehts weiter durch den Wald den Berg hoch, immer näher an den Fuß des Schlern heran. Und plötzlich endet der schattige Wald, es sieht aus, als käme danach Nichts mehr. Am Waldrand angekommen, nach 220 Höhenmetern, sieht man dann aber eine noch viel riesigere, hügelige und wunderschöne Wiese, der Schlern ragt links von einem in den Himmel und mitten auf der Wiese steht eine Hütte (die momentan nur am Wochenende geöffnet hat, schade!). Wir haben die Terrasse der Hütte unter der Woche natürlich für uns, nur ein paar vereinzelte andere Wanderer setzen sich ebenfalls an die Holztische in die Sonne und genießen den Ausblick. Gina stalked derweil die Katze, die wohl zur Hütte gehört und hier durchgefüttert wird und Gina genauso interessant findet, wie andersherum.

Aber wer denkt, die Schönheit der Wanderung endet hier, Abstieg ist langweilig, täuscht sich.. der Abstieg führt über einen märchenhaft schönen Weg mit Blick in die Tiefe. 
Das ist sowieso total faszinierend hier.. wenn man denkt, man blickt ins Tal, ist es natürlich noch längst nicht „ganz unten“. Dann sieht man im Tal wieder einen Einschnitt, wo es noch tiefer geht. Und dann da nochmal eine Schlucht.. und so weiter.. 
Ich könnte ewig darüber weiter schwärmen, wie toll man hier wandern kann. Aber reicht jetzt glaub ich. 
Wir bleiben ja auch noch eine Zeit lang hier und da kann ich noch mehr Erinnerungen hier festhalten. 

Zurück zum Tagesablauf. Um 17 Uhr ist es stockdunkel und der Schlern schillert gegenüber im Mond- und Sternenlicht. Auch kein schlechter Anblick 😉 Siehe Galerie. 
Also sind wir vor 17 Uhr zurück, essen ne Kleinigkeit, trinken Lumumba und fallen dann ins Bett – kurze Pause. 
Nach der Pause gehts dann weiter mit der Arbeit, dem Online-Italienisch-Kurs oder anderen Verpflichtungen – und natürlich wird irgendwann was gekocht und gegessen. 
Ab dem 2.12. hat dann auch der Weihnachtsmarkt in Kastelruth geöffnet, da haben wir dann natürlich noch ein anderes Ziel hier 😉 Ansonsten werden wir häufiger rüber nach Brixen fahren, vor allem nach dem 28.11., denn bis dahin ist die schnellste Verbindung gesperrt – Erdrutsch – und alle müssen momentan nen ewig langen und kurvigen Umweg nach Brixen fahren. 
Unser Plan, in Brixen beim Hotel Löwenhof zu Campen, haben wir gerade über Bord geworfen. Die Hotel-Rezeptionistin hat – als wir mal spontan vorbeigeschaut haben – in nem Nebensatz erwähnt, dass man im Winter keinen Anspruch auf einen ganzen Stellplatz habe, sondern auch mehrere Camper auf einen Platz gequetscht würden. Man stünde dann also einfach wie auf einem Parkplatz in Reih und Glied da und hätte keinen Platz mehr um sich herum. Tür an Tür sozusagen. Ääääh wie bitte ? Davon stand aber nichts bei der Buchung oder auf der Website! Das muss man doch erwähnen… Wir haben ja unser Materialzelt dabei und wollen außerdem nicht mit irgendwelchen Plastikbombern Tür an Tür stehen. 
Außerdem soll es aber auch arschkalt werden – viel kälter, als wir gedacht hätten – und bei bis zu -10 Grad nachts macht Campen dann im kleinen engen Bulli auch nicht mehr wirklich Bock. 

Also gönnen wir uns wohl einfach den Aufenthalt hier auf dem Trieferhof noch etwas länger – die Wohnung ist zum Glück noch bis zum 10. Dezember frei. Genug Zeit, noch mehr über das Schlern-Massiv und unsere Wanderungen zu schwärmen 😉 

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